Der folgende Text ist inspiriert von zwei verschiedenen Ideen bzw. Fragen.

Zum Einen wurde im Kommentar zum vorherigen Beitrag gefragt, warum ich eigentlich immer so neumodische Anime-Bildchen für mein Windows 3.11 verwende, und nicht Bilder mit mehr Bezug zu den 80er/90er Jahren. Zum Anderen habe ich in den letzten Tagen mal wieder in ein paar alte Ausgaben des CF gelesen, und dabei auch den ideologischen „Sprung“ von Ausgaben aus dem Jahr 1994 zu Ausgaben aus den Jahren 1997/98 gemacht. Das ist IMO immer hilfreich, um zu sehen, wo die Dinge anfingen, falsch zu laufen und was letztlich die Mentalität des 21. Jahrhunderts in die Welt gebracht hat.

Natürlich gab es die Idee, daß DOS und Windows 3.11 totaler Schrott sind, und zu fast überhaupt nichts taugen, auch schon in frühen Ausgaben. Besonders ausgeprägt kam die Kritik stets aus Richtung der Homecomputer-Elite, für die der DOS-PC das Feindbild schlechthin war. Da gab es dann auch schon mal Leute mit netten Pseudos wie „PC-Hasser“ und ähnlichen Kram. Für ein Klima dieser Art sei exemplarisch nochmal diese Anzeige hier genannt:

cf1b

Ein besonders amüsantes Beispiel findet sich noch in einer Ausgabe von 1997, in dem ein bekannter Regular in einem langen und etwas mißglückten Beitrag erklärt, daß er zu der Erkenntnis gekommen sei, daß sein Amiga 500 sehr viel besser ist, als jeder PC. Nach dem üblichen Gezeter über die völlige Unfähigkeit von Windows ist seine ultimative Beweisführung aber dann doch etwas seltsam: bedeutende Werbespiele wie „Das Erbe“ oder das Bifi-Game sehen auf seinem Amiga 500 viel besser aus, als auf dem PC – daher sollte wirklich jeder akzeptieren, daß ein Amiga die überlegene Maschine ist. Naja. Wenn er das sagt. Erinnert mich an das Argument, daß jeder anstelle eines PCs doch lieber einen C64 kaufen sollte, weil es auf dem die besten Scene-Demos gibt.

Neben den Lästerern aus dem Heimcomputer-Lager, die manchmal für „Elite-Scener“ erstaunlich wenig Ahnung von der Materie hatten („Die Fa. Pentium ruft ihre PCs zurück…“) fällt mir aber mit Verwunderung auch immer wieder auf, daß selbst die treuen Anhänger des PC-Lagers ihren eigenen (16-Bit-)Betriebssystemen erstaunlich negativ gegenüber standen. Da wurden DOS und WfW immer gerne als temporärer Notbehelf betrachtet, mit dem man eigentlich kaum irgendetwas erreichen konnte. Zum Glück zeichnete sich am Horizont der wahre „Fortschritt“ in Form von 32-Bit mittels Windows 95, OS/2 Warp und dem Geheimtip Linux ab. Scheinbar warteten viele nur noch auf Upgrade und Umstieg, damit aus ihrem PC endlich ein richtiger Computer werden konnte. Und das konnte ich damals nicht nachvollziehen, und kann es bis heute nicht.

Ich habe ehrlich gesagt oft auch keine Ahnung, wo all die seltsamen Probleme herkamen, die Leute mit ihren DOS-Rechnern hatten bzw. warum angeblich so viel nicht ging und vermeintlich unmöglich war. Amiga-Programme auf einem Emulator unter DOS? Näh. Wird es definitiv niemals nicht geben. Ordentlicher C64-Emulator? Keine Chance. DOS-Programme und Spiele in hohen Auflösungen und Farbtiefen? Haha. Steinzeitbetriebssystem von 1981. Stabiles Windows mit mehr als 640×480 Pixeln und 16 oder maximal 256 Farben? Viel Glück bei der Suche nach funktionierenden Treibern. Soundkarten, die gleichzeitig unter DOS und Windows guten Ton bringen? Absolute Raritäten.

Gerade die vielen Probleme mit Soundkarten sind mir persönlich schleierhaft. Angeblich war es oft so, daß besonders irgendwelche Taiwan-Nachbauten viele Mängel hatten, und entweder nur für Windows, oder nur für DOS geeignet waren. Eine der beiden Möglichkeiten hatte dann entweder gar keinen Ton oder nur „scheppernde“ Akustik. Hmmm. Die ISA-Soundkarte bei mir im Pentium ist eine olle ESS1688. Das ist das älteste Bauteil überhaupt im Rechner, weil ich es vom Vorgänger übernommen hatte. Hey, die Karte habe ich seinerzeit auf dem Schulhof gekauft. Die geht immer noch, und zwar mit gutem Ton bei DOS-Spielen und astreinem Ton unter Windows (Stereo und 44 kHz im Medienplayer). Und wenn es ich noch edler möchte, dann steckt im 486er ja noch eine gut bestückte SB AWE 32 drin.

Und obwohl das Genörgel auch in frühen Ausgaben präsent ist, wurde es im Laufe der Jahre natürlich ausgeprägter. Spätestens ab 1998 wurde dann mit entsprechender Rhetorik betont, daß DOS und 16-Bit-Windows eigentlich historischer Sperrmüll sind, und wirklich nur noch für geringste Anforderungen eine Daseinsberechtigung haben. Und der traurige Rest der Anwender sollte das endlich mal begreifen, und hinter dem Mond vorkommen. Wer den CF bis zum Ende gelesen hat, weiß, das bestimmte Leute berühmt für derlei Gedanken und Worte waren. Hier lässt sich auch gut verfolgen, wie sich noch auf Papier eine kommende Mentalität von Meinungsvorgaben und Schubladendenken zum Thema „Fortschritt“ herausgebildet hat.

Aber wenn ich da nun daheim sitze und in den alten CF-Ausgaben blättere, und nebenher vom DOS-Notebook über Kopfhörer mit aktuellen MP3s in 320 Kbit/48 kHz beschallt werde, dann fällt mir auf, daß ich doch eigentlich gar nichts hören dürfte. DOS müsste doch viel zu unfähig sein, um derart komplexe Musik-Algorithmen und eine derartig hohe Klangqualität wiedergeben zu können ;-).

Da würde ich mir manchmal wünschen, daß ich Leute aus dem Jahr 1994 kurz vor meinen Rechner holen könnte, nur mal so, zum Zeigen und Gucken. Jegliche Form von Angeberei und Protzerei läge mir natürlich fern ;-).

Aber hey, guckt ihr doch mal hier. Das ist mein quitschbunter Anime-Desktop mit HighColor-Icons und voller Farbtiefe. Und so kann ich z.B. flink ein png-Bild mit 4.000 x 3.000 Pixel Größe aufrufen, und so wird es dann in die Bildbearbeitung übernommen. Filme gucken? Jupp, geht hier auch in Fenster und Fullscreen. Etwas Musik? Klar. Geht alles am selben Rechner. Was soll es sein? MOD oder S3M oder C64-SID oder CD-Audio oder eine MP3 in genannter Klangqualität? Coole Amiga-Spiele und Software? Jupp, sind schon da. C64? Aber klar, laden wir doch schnell am PC die neue Digital Talk 101 (endlich wieder regelmäßig). Ob diese Wundermaschine vielleicht sogar Konsolenkram kann? Klar, hier ist ein SNES mit „Chrono Trigger“. Oder doch lieber ein Zelda-Spiel auf dem GameBoy-Advance mit RiscEmulation? Oder eher ein Spiel, daß native auf dem Betriebssystem läuft? Wie wäre es mit cooler KI in Creatures mit Auflösung 1027×768? Oder vielleicht doch eine Runde Quake? etc etc.

Vielleicht wären die Leute aus dem Jahr 1994 ein klein wenig beeindruckt von der Vielseitigkeit, und würden dann vielleicht sagen, daß es doch kein Wunder ist, daß ich so abgefahrenes Zeugs mit dem Rechner machen kann. Das ist halt so ein ultra-advanced Betriebssystem from da future. Tja, und dann würde ich ja liebend gerne mal sagen „Nö. Ist es nicht. Das ist genau das Gleiche, was ihr auch habt…“ und ihnen dann die win.com und die command.com von 1993 zeigen :-).

Okay, ich gebe es ja zu. Würde man ihnen einen stylischen und polierten Windows-10-Rechner mit aktuellem WebKram, UltraHD-Medien und Spielen zeigen, wären sie vermutlich noch um einiges beeindruckter. Aber das wäre ja dann wirklich das Betriebssystem from da future und es würde der Witz fehlen, sie mit der Nase darauf zu stoßen, daß die „Evolution“ wirklich nur in der Software und deren Ausnutzung begründet liegt, und der ganze Unterbau „primitives“ 16-Bit-DOS und Windows 3.11 ist.

Ein paar Bilder noch. Zuerst ein aktuelles Foto vom Notebook, das jetzt auch schon 22 Jahre alt ist. Hah. Der Akku geht immer noch. Ich hatte mir schon überlegt, ob ich den blauen Spuk mit Calmira XP auch dort gegen eine schlankere WinWPS austauschen soll, aber mich dann anders entschieden. Ein bißchen XP-Optik für 3.11 kann ja zumindest auf einem Rechner nicht schaden.

Also habe ich letztlich nur das Hintergrundbild getauscht. Es ist natürlich wieder der übliche Kram. Warum diese Art von sexistischen und kunterbunten Bildern? Keine Ahnung. Vielleicht, weil es ein netter Bruch mit den zeitgeistigen Erwartungen ist, solche Bilder, die sonst ausschließlich auf und für aktuelle Geräte entworfen werden, in ein 25 Jahre altes 16-Bit-System zu integrieren. Weil es eben nicht um Nostalgie geht. Außerdem ist es total kawaii ;-).

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Ansonsten war ich auf der Suche nach einem guten und nicht zu überladenen Adventure bzw. Rollenspiel. Die 2D-Zeldas habe ich alle durch. Ein Artikel in einer älteren Ausgabe des Retro-Magazins hat mich auf „Chrono Trigger“ auf dem SNES gebracht. Da gibt es auch einen sehr schönen DOS-Port des Emulators ZSNES, letzte Version wohl von 2007. Der Emulator hat trotz seiner Größe von gepackt knapp 900 KB jede Menge Funktionen, optische Filter aller Art, Scanlines, Netplay, sogar Cheateingabe.

Es ist der einzige mir bekannte Emulator unter DOS, der sich mit seinen Menüs transparent über das laufende Spiel schaltet und sogar noch schnieke Effekte wie Wasserwellen etc. für die Transparenz hat. Nette Spielereien. Die readme.txt behauptet übrigens, daß der Emulator mindestens einen Pentium II mit 233 Mhz braucht. Stimmt nicht, selbst mit optischen Filtern läuft er auf dem P166 absolut flüssig. Wahrscheinlich hatten die Programmier einfach keinen älteren Rechner zum Probieren.

Hier noch ein paar Bilder, die aber leider recht unscharf geworden sind.

crono1

crono2

crono3

Im Moment hänge ich etwas, aber demnächst werde ich mal weiterspielen. Gibt es unter den Lesern sonst noch Fans dieses Spiels?

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