Weil wir schon beim Thema DOS-Spiele waren, widmen wir der Sache gleich noch einen Beitrag mit vielen bunten Bildern. Ich hatte die Kamera gerade zur Hand und dachte mir, es wäre doch vielleicht ganz nett, mal ein paar interessantere DOS-Spiele aus der späten Ära, also im Bereich 1996/1997, direkt vom Bildschirm abzufotografieren. Vermutlich ist bei den Empfehlungen zwar nichts dabei, daß nicht sowieso jeder kennt, aber sei es drum. Es könnte ja die Vielseitigkeit zeigen, die einem auch eine komplett originale Hard- und Software aus den 90er Jahren beim Spielen bieten kann.

Fangen wir mit der Bilderparade an. Wie üblich verkleinert wordpress eingefügte Bilder, und macht sie dezent unscharf, also bitte für volle Qualität auf das Bild klicken. Da es sich vom Röhrenbildschirm immer etwas schwierig abfotografiert, sind einige Imperfektionen und Farbverfälschungen aber unvermeidbar. Einfach nur ein paar Screenshots reinklatschen, wäre aber irgendwie unpersönlich, da fehlt die Verbindung zur realen Hardware. Am Liebsten wäre mir natürlich, wenn all diese Spiele auch auf einem 386er laufen würden, aber das wäre wohl teilweise zuviel verlangt. Ein schneller 486er sollte aber durchaus reichen.

Zuerst kurz ein paar CD-Hüllen aus dem Regal gegriffen. Ich habe natürlich recht viele Originale aus der Zeit da, denn auch eine Hülle gehört zum haptischen Erlebnis, das ein Download nicht bietet. Als ich ca. 1996 mit dem Aufrüsten und dem Kaufen von neuer Hardware aufgehört habe, wollte ich meine vorhandenen Hardware halt spielerisch noch gut für die Zukunft ausstatten. Ich möchte aber betonen, das solche CDs im Computer trotzdem neumodischer Schnickschnack sind. Mein ja nur ;-).

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Da sind ein paar interessante Stücke dabei. „Extreme Assault“ von 1997 dürfte wohl (zusammen mit MDK) eines der letzten großen DOS-Spiele sein, dem die Magazine damals noch mehrseitige Berichte und Lobeshymnen gewidmet haben. Mich persönlich spricht es visuell und spielerisch eher weniger an – es dürfte aber technisch eines der wenigen (einzigen?) DOS-Spiele mit MMX-Support sein – was auch immer das genau bringt. Ein eher berüchtigter Kandidat war ja seinerzeit auch „Alarmstufe Rot“, daß für SVGA mal eben Windows 95 vorausgesetzt hat, und ansonsten nur in VGA lief. Auch ein hübsch konstruiertes Aufrüst- und Umsteigeargument. Meh. Das „Blood“ rechts unten war übrigens das einzige indizierte Spiel, daß ich mir jemals im Computerladen gegen Vorlage des Personalausweises bestellt habe. Spielerisch überzeugt es nicht.

Aber machen wir mit interessanten Spielen weiter.

Gehört eigentlich nicht direkt hier her, aber ich hatte die Fotos noch auf einer Diskette rumliegen.. Ein gutes Beispiel dafür, daß man auch als reiner DOS-Anwender nicht auf reine DOS-Spiele (und deren Ära) angewiesen ist, sind ja wie schon unten geschrieben die zahlreichen Emulatoren, die teilweise noch bis heute in aktuellen Versionen erscheinen. Gerade für den Gameboy-Advance-Emulator gibt es da auch sogenannte „moderne“ Genre und Spiele aus dem 21. Jahrhundert. Hier haben wir ein interessantes Beispiel aus dem Bereich Adventure/Rollenspiel, das auf dem Pentium 166 ordentlich spielbar funktioniert – „Riviera – The Promised Land“. Für mich zugegeben etwas zu überladen mit Regelwerk und rundenbasiertem Kram. Ein gutes 2D-Zelda wäre mir lieber.

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Zurück zu native DOS: eine gerne übersehene „Perle“ im 3D-Shooter-Bereich war wohl seinerzeit „Powerslave“ mit einem Szenario im alten Ägypten. Klassische und somit bitmap-basierte Build-Engine, aber vom Leveldesign her recht hübsch gemacht, inklusive ägyptischer Wandtexturen und weitläufiger Tempelareale. Erinnert wohl auch etwas an Serious Sam, daß es ja nicht mehr für DOS gab. Die Fotos sind aus der Shareware-Fassung mit „nur“ 3 umfangreichen Leveln. Gerade bei der Größe der Level und der Menge an Grafik und Texturen erstaunt es auch, daß diese Shareware-Version mit einer gepackten Datei von „nur“ ca. 12 MB Größe auskommt.

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Ein weiteres Spiel aus der Endphase der Ära ist auch „Darklight Conflict“ von 1997. Ich bin da zugegeben kein großer Fan solcher Spaceshooter aus Cockpit-Ansicht, vielleicht mal abgesehen von Klassikern wie X-Wing und Tie-Fighter. Was man Darklight Conflict aber zugute halten muß, ist eine visuell äußerst beeindruckende und hochauflösend-farbenfrohe Engine. Da gibt es wirklich alles – Partikelwaffen, Lensflares, krachende Explosionen mit Trümmerflug. Und trotzdem ist es erstaunlich flink. Auf den wackligen Fotos ohne größere Objekte im Bild (ich kann halt nicht fotografieren und dabei um rotierende Raumstationen herummanövieren) erkennt man vermutlich weniger, aber vielleicht mal als Eindruck von einer IMO technisch herausragenden Spaceshooter-Engine unter DOS. Leider hapert es spielerisch und bei der 08/15-Story.

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Um nicht nur Spiele zu erwähnen, die mit dicken Megabytes und diesem neumodischen CD-ROM-Zeugs protzen, hier noch ein spätes DOS-Spiel (auch so 1997) aus dem Shareware-Bereich: „Jasper – The Search for Orlando“. Das ganze Spiel ist weniger als 1 MB groß, passt also leicht auf eine Diskette. Und trotzdem spiele ich es gerne mal zwischendurch, weil es mit Liebe zum bunten VGA-Detail gemacht wurde. Und trotz der einfachen Idee – ein fliegender Drache setzt den zipfelmützigen Helden an einem Ende des Levels ab, und muß dann am anderen Ende wieder gefunden und/oder befreit werden – sind dennoch viele gute Ideen, Rätsel, versteckte Schätze usw. drin. Das ist die Art von „kleinerem“ DOS-Spiel, die ich mir auch heute noch wünschen würde.

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Zuletzt noch etwas aus dem 3D-Shooter-Bereich: „Chasm – The Rift“. Technisch durchaus brillant und „Quake“ zumindest ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen, kam es für einen größeren Markterfolg als DOS-Spiel aber schon zu spät. Auffallend ist die ungewohnt komplexe Handlung, die sich über mehrere Zeitebenen erstreckt, unter anderem Gegenwart, Zukunft, Mittelalter und altes Ägypten (schon wieder). Schräge Polygon-Gegner, bei denen man auch mal Arme oder Köpfe separat wegschießen kann, Lichteffekte, komplizierte Rätsel – das wäre der Weg gewesen, den das Shooter-Genre spielerisch und visuell unter DOS hätte gehen können. Etwas schwierig zu fotografieren, das sieht in Bewegung deutlich besser aus, als auf den dunklen und farbarm wirkenden Fotos.

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Soweit eine kleine Auswahl zum Thema Vielfältigkeit bei DOS-Spielen auch in späteren Jahren. Und gerade wegen dieser großen Bandbreite und all den technischen Möglichkeiten, die man aus dem sicherlich imperfekten Betriebssystem herausgeholt hat, finde ich es wie gesagt etwas schade, wenn aktueller DOS-Homebrew heute hauptsächlich aus Textmodus und CGA für den Retrofun besteht. Da waren wir doch schon mal ein paar Schritte weiter, und sind trotzdem kompatibel mit älterer Hardware geblieben.

Falls jemand noch andere Ideen zu herausragenden Spielen hat, die ich nun nicht erwähnt habe, dann immer her damit. Sicherlich gehören auch Spiele wie MDK, Shadow Warrior oder Toonstruck mit in die Toplisten (wobei Letzteres ja leider den geplanten 2. Teil nie erhalten hat bzw. auch der erste Teil wegen Zeitmangel mit einem recht holprigen Schluß endet). Vielleicht hat ja noch jemand Geheimtipps zu guten DOS-Klassikern oder gar aktuellen Entwicklungen.

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Ein Gedanke zu “DOS-Spiele und Vielfalt

  1. Hier läuft gerade die Rallyesimulation Rallye Racing 97 (Network Q RAC Rally Championship). Ein DOS-Spiel von 1996, das mit viel Liebe gemacht wurde. Man hat 189 Gegner, wie bei der richtigen RAC-Rallye eben auch, gegen die man in Zeitrennen antritt. Kein Rallye-Spiel macht das so, die beschränken sich auf 16 oder 20 Gegner, was aber gar nicht realistisch ist.
    Ich kenne außerdem kein anderes Spiel, bei dem die Animationen so simpel und doch so effektvoll sind. In der Cockpitperspektive sieht man beispielsweise die Handschuhe des Fahrers am Lenkrad, die sich beim Kurvenfahren mitdrehen. Schaltet man, verschwindet die innere Hand kurz, das Getriebe macht kurz KLACK, und schon taucht die Hand wieder auf. Oder Regen und Schnee lässt sich mit einzelnen Punkten auf der Windschutzscheibe nieder, die in Massen die Sicht versperren. Doch die Scheibenwischer wischen sie wieder weg. Außer an der Stelle, wo die Scheibenwischer eben nicht hinkommen, und eh man sich versieht, gibt es einen richtigen Schmutzrand. Aber darauf kann sowieso niemand achten, der mit Volldampf eine Schlammkurve hinunterheizt. Ebensowenig wie auf die Farbarmut im Vergleich zu heutigen Computerspielen. Das Spiel findet halt im Kopf statt, wenn der Spieler es zulässt.

    Vielleicht gibt es weniger heimgebrannte Sachen solcher Art, weil 3D-Modelle selber zu erstellen viel komplizierter ist, als eine kleine Bitmap von 20×20 Pixeln?

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